TeenScouts

Harzer Panorama vom 27.08.2017

Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung
17 neue TeenScouts ausgebildet

Bad Harzburg. "TeenScouts" helfen seit einem Jahr in der Oberschule Bad Harzburg (OBS) ihren Mitschülerinnen und Mitschülern im Schulalltag. Sie unterstützen sie beim Hausaufgaben machen, lernen und lesen gemeinsam. Sie basteln und kochen mit ihnen oder spielen in den Pausen miteinanderder. Jugendliche sind für anderere Jugendliche da und machen ihnen das Leben nicht nur in der Schule leichter.
Fast genau ein Jahr ist es her, dass in der Oberschule Bad Harzburg TeenScouts ihre Arbeit aufgenommen haben. Nun wurden im Jugendtreff in Bad Harzburg weitere TeenScouts ausgebildet.

16 Schülerinnen und ein Schüler durchliefen die dreitägige Ausbildung bei Stephani Gober- nack (Beauftragte für Jugendsachen Landkreis Goslar) sowie Claudia Hennek und Katharina Osadtschi (Schulsozialarbeiterinnen der OBS Bad Harzburg). Fünf TeenScouts aus dem letzten Jahr haben gleich die Gelegenheit genutzt, sich an der Ausbildung der "Neuen" zu beteiligen. Thematisch geht es um Hilfsbereitschaft, Mitgefühl und Konfliktfähigkeit. Wo sind die Grenzen für das Handeln der TeenScouts, wann brauchen sie die Hilfe von Erwachsenen? Muss bei manchen Vorfällen vielleicht sogar die Polizei eingeschaltet werden? Was passiert, wenn Kinder oder Jugendliche eine Anzeige bekommen? Diese und noch mehr Themen werden im Rahmen der Ausbildung behandelt, um die Schülerinnen handlungssicher zu machen. Die 17 Neuen im Alter von 12 bis 16 aus den 7., 8. und 9. Klassen haben durch Übungen und Rollenspiele selbst erarbeitet, wie sie sich verhalten müssen, um offen und ansprechbar für andere zu sein und gewaltfrei mit Konflikten umzugehen. "Wir müssen eigentlich nur hilfsbereit sein, reden können und uns in unsere Mitschüler etwas einfühlen können", beschreibt Ole die Voraussetzungen, um zum "Teen Scout" zu werden. "Wir wenden uns aber nicht nur an Flüchtlingskinder", erläutert Joy, "wir unterstützen auch unsere Schüler, die aus anderen Bundesländern neu zu uns kommen".
"Immer wieder stellen wir in der Ausbildung fest, wie interessiert die Schülerinnen an Fotos und Filmen sind, die Kinder und Jugendliche anderer Kulturen oder mit gesundheitlichen Benachteiligungen zeigen," sagt Stephani Gobernack von der Polizei Goslar. Fotos und Filme bieten Diskussionsgrundlagen, um über Lebenssituationen anderer ins Gespräch zu kommen. Den Schülerinnen und Schülern wird dabei bewusst, wie nah viele Schicksale sind und welche Berührungspunkte jeder einzelne von ihnen zu Menschen aus anderen Kulturen hat. Die Ausbildung fand abgesetzt vom Unterricht im Jugendtreff in Bad Harzburg statt.

"Eine rundum gelungene Sache", das sagten die Projektverantwortlichen genauso wie die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler. "Uns hat die Arbeit echt Spaß gemacht", so das übereinstimmende Fazit aller Beteiligten. Stolz präsentierten sie aus Zeitungspapier gebastelte Skulpturen, die zum Thema passten. Zum Beispiel eine Ballerina mit Superkräften, die in Ländern mit Krieg gegen die Bösen kämpfen soll oder ein Herz für Menschen, die Schlimmes erlebt haben. Schulleiterin Ulrike Eilers zeigte sich von den Ideen beeindruckt und überreichte ihnen mit anerkennenden Worten eine Urkunde und kleine Präsente als Dankeschön.
Die neu ausgebildeten TeenScouts kommen zu der Gruppe der "alten Hasen" vom letzten Jahr. Sie haben in der Schule inzwischen einen TeenScout-Raum, in dem sie für ihre Mitschüler ansprechbar sind und den sie für ihre Aktivitäten nutzen können. Und während des HP-Gespräches entstand noch eine weitere Idee, um auf die TeenScouts an der Schule aufmerksam zu machen: "Wir könnten T-Shirts gebrauchen, damit wir angesprochen werden können", hieß es aus dem Kreis der Schüler. "Ich kann ja ein Logo dafür entwerfen", meldete einer der Scouts und Schulleiterin Eilers nahm die Idee sofort auf.

GZ-Bericht vom 26.08.2017

Jugendliche helfen Jugendlichen
An der Oberschule wurden 17 neue Teen Scouts ausgebildet, die sich um neue Schüler kümmern

Von Sarah Mühling
Bad Harzburg. Eine ganz besondere Aufgabe haben 16 Schülerinnen und ein Schüler von der Oberschule Deilich nun vor sich. Sie sind Anlauf- steile für Neulinge, begleiten und unterstützen sie im Schulalltag, schlichten Streit und lösen Probleme. Sie sind die Teen Scouts.
Im Anschluss an eine dreitägige Ausbildung im Rahmen des Projekts "come together" überreichte Schulleiterin Ulrike Eilers die Zertifikate, die die Schüler offiziell als Teen Scouts qualifizieren. "Ohne Euch kann ganz viel nicht funktionieren", lobte sie die sozial engagierten Schüler. Verantwortlich für das Projekt sind Stephani Gobernack von der Polizeiinspektion Goslar, Claudia Hopp vom Jugendschutz des Landkreises und die bei den Deilich-Pädagoginnen Claudia Hennek und Viktoria Osadschi.
Fünf Schulen im Landkreis haben inzwischen Teen Scouts. Die Oberschule in Bad Harzburg hatte schon im vergangenen Jahr welche ausgebildet und guten Erfahrungen gemacht. Die "alten" Erfahrenen wollen die "neuen" frisch Ausgebildeten weiter unterstützen.
Sogar ein eigener Raum
Wie sie Schülern helfen können, die neu an ihre Schule kommen - Zugezogene, Flüchtlinge oder auch Kinder mit Handicap -, erarbeiteten die frisch gebackenen Teen Scouts während der Ausbildung. Sie überlegten gemeinsam, wo die Neuen Unterstützung gebrauchen könnten. Beim Deutsch lernen zum Beispiel. Schon die Teen Scouts vom vergangenen Jahr boten Hilfe bei den Hausaufgaben und unterhielten sich viel mit den Neuankömmlingen auf Deutsch.

Auch für Spiele, gemeinsames Basteln und Backen holten sie die Flüchtlingskinder gelegentlich aus dem Unterricht, erzählte Luca, ein Scout der ersten Generation. Ein eigener Raum in der Schule steht ihnen für ihre Arbeit zur Verfügung.
Konfliktprävention, gewaltfreies Schlichten und Mobbing gehörten ebenso zu den Inhalten der Ausbildung wie der Blick auf unterschiedliche Kulturen. Anhand von Bildern und Filmen wurden die Schüler für die Lebensumstände von Flüchtlingskindern sensibilisiert. Streitszenen in Form von Rollenspielen dienten dazu, die eigene Konfliktfähigkeit zu verbessern und Probleme zu lösen. Nun sind die neuen Scouts bereit, Mitschülern den Start an ihrer Schule zu erleichtern. Sie wissen genau, worauf es ankommt. Hilfsbereitschaft, Einfühlungsvermögen und Freundlichkeit seien unter anderem wichtig, erzählten die Schülerinnen. Und Ole, der einzige Junge unter den neuen Teen Scouts, ergänzte: "Man muss Verantwortung übernehmen können". Das ist es auch, was Schulleiterin Eilers besonders stolz macht: "Man kann sich auf Euch verlassen."
Jetzt fehlt den Schülern nur noch ein gemeinsames Erkennungsmerkmal. Sie wollen in Zukunft Teen- Scout-T-Shirts tragen und dafür ein eigenes Logo entwerfen.
Theater im Oktober
Eine Theateraufführung mit dem Stück "Wir waren mal Freunde" des Ensembles Radiks wird im Oktober die Arbeit der Teen Scouts ergänzen. Das Stück greift die Themen soziale Kompetenz, Rassismus und Gewaltprävention auf. Für Eltern findet eine Aufführung am 25. Oktober um 19 Uhr in der Oberschule statt.